entäusserung

konzentration. anfang. versuche, aus dem loch zwischen meinen beinen, mich umzustülpen. wäre der mund der bessere ausgang? unwahrscheinlich. die beine fest in den händen, pressen: zuerst die gebärmutter, dann der darm, der magen, die lunge, die leber, die nieren, das herz. was ist sonst noch in mir? die rippen machen einige schwierigkeiten, vielleicht müssen sie splittern. pause. jetzt weiter. die beine, eins nach dem andern, das knie festhalten, den fuss festhalten, schieben mit aller kraft. fehlen noch die arme und der kopf. gleiches verfahren. knochen brechen, zerbröseln, zerreiben. vielleicht besser am beginn. dann fehlt der widerstand. reicht der wille zur kraft? jetzt die schultern, den hals. und der schädel? tust du mir den gefallen und zertrümmerst ihn? vielleicht kannst du mir helfen, mit den armen, dem letzten arm zumindest. oder schaff ich es alleine? kann ich meinen umgestülpten arm noch brauchen? am ende kommst du nicht vorbei.

oder:

von aussen anfangen. du musst den draht holen, dünn und scharf. stich ihn knapp unter die haut. führ ihn weiter ein, am ende wieder raus. bleib knapp unter der oberfläche, du musst ihn sehen können. jetzt zieh, an beiden enden gleichzeitig, wie wenn du ton in hauchdünne platten schneidest. am besten beginnst du bei einer grossen fläche, dem bauch, dem rücken. ja, der hintere schulteransatz eignet sich gut. tut mir leid, dass ich dich hierzu brauche, ich komme nun mal nicht ran. vorne kann ich es ja selber machen, es reicht, wenn du den rücken bearbeitest. gib mir ein stück von dem draht. was zählt, ist das gleichmass. ich beginne am hinterkopf, lege die schädeldecke frei. die erste hautschicht ist noch ziemlich widerständig, später ist es einfacher. notfalls brauchen wir messer, gerbmesser oder ähnliches. die abgezogenen teile sollst du in die sonne legen, eine haut neben die andere, wenn sie dann trocken sind, können sie von selber stehen. anstrengend, nicht wahr? menschen sind keine schlangen, die sich ganz einfach von natur aus häuten. ihr körper ist nicht dazu gemacht. blöd, aber nicht zu ändern. sind wir schon innerhalb der rippen angelangt? wie gesagt, gleichmässig arbeiten, wir wollen nicht schummeln, wir wollen doch nur das innerste freilegen.

und:            

bitte doch einen freund, mit dir gleich zu verfahren. dich dann neben mich zu legen. oder besser noch, ein goldfischglas mit unserem blut zu füllen und uns beide, die freigelegten kerne, dort hineinzusetzten, in unsere, nur unsere welt, und aus unseren getrockneten häuten ein haus drumrum zu bauen, ein grab aus findlingen. oder, wenn sein wunsch gross genug ist, uns bei sich zuhause einen platz zu suchen. vielleicht auf dem fernseher, damit wir in seinem sanften vibrieren das leben spüren.